Eine Stunde mehr

Vorne dran, weit weg höre ich Stimmen. Sie klimper klappern durch den Tag.

Ich weiß, dass sie uns wahrnehmen. Weil wir nicht federleicht zu tragen sind wie das Gewand nach außen scheint.

Sie verdecken uns nur vor der Welt. Nicht von sich selbst. Und obwohl sie nicht das gesehen und erlebt haben, was ich erleben musste, wird der weiche Vorhang zu Ketten.

Heute Nacht eine Stunde länger. Diese Schwere spüre ich jedes Jahr aufs Neue.

Die Wände sind nicht mehr kalt. Der Boden ist nicht mehr hart. Mein Körper in Sicherheit. Aber auch er weiß es nicht. Er hat Augen. Doch die reichen nicht bis dorthin, soweit SIE gekommen sind.

Er wird kalt. Versucht zu sterben, obwohl er es nicht mehr muss. Wie die meteorologischen Jahreszeiten erlebt der Körper eine eigene Uhr.

Ich sehe nach draußen.

Die Wände sind nicht mehr kalt. Der Boden ist nicht mehr hart. Allein damit bin ich trotzdem noch. Vorbei ist es nur zeitlich.

Eine Stunde mehr.

Herbst

Es werden immer mehr. Und überhaupt wird alles mehr. Ich weiß schon der Herbst ist mit der Zeit im März die schwierigste für uns. Rücklaufdruck, Todesangst, ohnmacht, allein sein.

Ich wäre gerade am liebsten weg. Irgendwo wo man versteht was es heißt. Wirklich versteht. Und mit „den anderen“ spricht oder ihnen im Schweigen zuhört. Das andere Leben still stehen kann. Ganz und gar. Weil das andere zu viel wiegt.

Alternativ im Koma. Alles verschlafen.

Doppelleben….immer noch.

Am Meer mit Tränen

Wir sind mit den Kindern und einem Hund allein ans Meer gefahren…das ist für uns schon herausfordernd. Auch, wenn wir an sich zu Hause ja auch sehr viel allein sind/tun, nicht immer einen Background haben, wenn es schwierig ist.

Nun sind wir hier. Es läuft soweit alles. Das allein könnte uns ein gutes Gefühl geben.

Mit dem Hund ist ein anstrengend aber sonst ist alles gut.

Aber die Anspannung die wir sonst auch haben, weicht nicht. Ist ein bisschen mehr als zu Hause. Und da ist es ja schon doof.

Und dabei müsste es uns gut gehen. Oder zumindest mal eine Zeit. Ein paar Stunden Entspannung, Erholung. Immerhin sind wir am Meer!!!! Dass das nicht so ist macht die Anspannung und die Traurigkeit gerade nicht aushaltbar…und ich merke wie es gekippt ist.

Alles kein Sinn macht. Geld kostet für nix….und dann andere Gedanken dazu kommen. Ich Versuche dagegen zu halten, weil das alles nur noch schlimmer macht, als es eh schon ist. Geht aber schwer…..

Eine Träne rollt über’s Gesicht….

Meer….

Seelisches Koma

Seit M. ein Mensch der für uns alle ansprechbar war. Das Gefühl ernst genommen zu werden. Sehr bemüht zu verstehen wie es uns geht. Nachgefragt….

Besiegelt wurde das mit einem goldenen Stein auf dem eingraviert „immer bei dir“ stand. Nicht Mal drei Wochen hat dieses Versprechen gehalten. Wir wissen nicht genau, was passiert war oder warum es plötzlich so wurde.

Sie möchte jetzt nicht mehr über das Dunkle und Schwere schreiben, um das Helle mehr zu stärken. Müssten uns nur für ein anderes Leben entscheiden. Nach dem Winter kommt immer Frühling….Das hat rein getroffen. Wir haben geschrieben was es macht, keine Reaktion….irgendwann kam, dass sie viel zu tun hatte. Sie sei da. Zusammengebracht haben wir das alles nicht. Das haben wir gesagt. Wieder keine Reaktion….irgendwann nochmal ein Versuch….keine Reaktion. Dann müssen wir es so lassen. Nur gehen wir wieder aus etwas ohne, dass wir etwas neues gelernt haben. Wir sehen es nicht…

Wir sind erschöpft und zertrümmert. Versuchen irgendetwas Gutes zu spüren. Irgendwas von früher zu beleben, um es körperlich zu spüren. Doch es geht nicht. Es war zu viel Vernichtendes. Innerlich im Koma.

Schamschatten

Seit gestern ist irgendwas ganz schief. Dies und das versucht. Bei manchem wurde der Hilfe und Bedrohungsschrei eher mehr.

Weiter gemach_leb_t. Aber auch das beruhigt das Nervensystem nicht. MitLaufen tun Podcastsätze von Menschen die es geschafft haben und uns mehr in den Schamschatten stellen.

Vor einer Stunde ein bisschen Bedarfsmedikation genommen. Mehr habe ich mich nicht getraut. Weil wir dann noch mit unseren Sachen zum Markt gehen. Das wir das tun steht außer Frage. Wir werden das mit der Angst und der Bedrohung und dem Schmerz tun wie immer. Nur, dass dieses Gehirn egal wie viele Wiederholungen wir ihm bieten nicht umlernt. Wir werden da hin gehen. Es wird sehr anstrengend sein. Wir werden es machen. Doch danach werden wir nicht mehr an Frei_heit gewinnen. Kein Gefühl von ‚Yeah wir machen das trotzdem und sind mega stark und stolz‘.

Und immer wieder das: Ich weiß nicht, was ich tun soll. Kann mich irgendjemand hören. Immer wieder an sich selbst zu scheitern. Zu Hause auf der Couch mit Sticksachen auf dem Schoß und der Sonne vorm Fenster. Warum….

Drahtseilakt

Jeden Jeden verschissenen Tag balancieren wir auf dünnem Seil. Warum das so ist kann ich ersehen. Die Lösung nicht. Wir fallen immer wieder den Sandberg hinunter. Klettern hoch, rutschen ab. Bleiben Liegen und weinen uns im eigenen Matsch fest. Und den Sand reibt in offene Wunden.

Ich schreibe ihr eine belanglose Mail. Und obwohl es jeden Tag in Gedanken ist, mit der Mail und ihrer Belanglosigkeit nach außen ist dann zu viel und es bricht Sodom und Gomorra ein. Viele Innen drücken mit ihrer Unterschiedlichkeit nach oben und den Gedanken zu dem was zu ihr passiert ist. Aus Überlebensmodus wird Überlebenskampf. Scheiße scheiße. Heute kommt Spielbesuch für den Jüngsten. Panik… Überlegung die Familienhilfe zu fragen, ob sie kommen kann. Aber es lassen, weil ein nein nicht gehalten werden kann. Grade nicht.

Und wenn das so ist wie grade ersticken wir an unserer alten und doch aktuellen Hilflosigkeit. Ich will dann nur Bedarfsmedi und Bett. Betäuben was gebraucht wird, weil das nicht geht.

Es hier zu schreiben gibt etwas Linderung. Weil andere Menschen es lesen und zumindest darum gewusst wird.

Besserung

Mit einer Kindheit voller Liebe kann man für das ganze Leben Mut, Zuversicht und Gelassenheit finden

So hoffe ich, dass ich den Kindern das in den Moment geben kann….

Wir sind wieder funktionaler. Was ich positiv bewerten kann. Schmerzen und all das sind immer dabei. Aber so ist es doch erträglicher, als wenn nichts im Außen geht

Düster

Die Angst ist da. Die Lähmung auch. Der Blick in die Zukunft düster. Keine gute Basis für die Gegenwart.

Ich hänge drei Teile auf den Ständer und ersticke an mir.

Ich kämpfe. Aber verliere. Wieder und wieder. Das Verlieren in der Grundsätzlichkeit immer gegeben. Im alltäglichen Äußeren werden die Löcher größer.

Ich habe davon erzählt. So genau es geht. Aber geholfen hat es nicht. Liegen gelassen trotzdem. Nicht genügend innere und äußere Ressourcen für Therapie…. Hat er nicht gesehen, dass es zum Leben auch nicht reicht. Dass Therapie nötig ist, um das wieder aufzubauen?

Ich habe eine Nummer, die ich anschreiben kann. Sie kann nicht. Und dann sind die Kinder mit mir verloren und ich Schuld. Nichts kann ich mehr tragen. Über kurz oder lang werden wir den Mann und die Kinder auch Schaden.